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  • AutorenbildVictoria Rückert

6 Tipps für präzise und prägnante Texte

Hübsche, tolle, flauschige redundante und absurde Adjektive. Lange waren sie gute Freunde von mir.

Frau Honegger hat mir in der zweiten Klasse beigebracht, Adjektive grosszügig einzusetzen. Das habe ich gemacht. Von roten Lippen schrieb ich und grünen Tannenbäumen. Von bellenden, haarigen Hunden und fliessenden Bächen. Meine Aufsätze strotzten vor beschreibenden Füllwörtern.


Adjektive sind oft floskelhaft und ohne Aussage

Heute lese ich von führenden und innovativen Unternehmen und flachen Hierarchien. Das kleine Boutique-Hotel in der historischen Altstadt mit schön eingerichteten Zimmern buhlt um Gäste mit attraktiven Angeboten. Das Spa bietet erholsame Entspannung oder entspannende Erholung, was beides exakt gleich hohl klingt.



Eine Schülerin sitzt an einem Schulpult vor einem grünen Hintergrund.
Adjektive sind kein Garant für gute Texte.


Passende Adjektive verstärken die Aussage

Das Problem bei den erwähnten Sätzen: Die Adjektive sind abgedroschen oder redundant. Sie schwächen den Text ab. Gezielt eingesetzt können sie jedoch einen Text aufwerten, Atmosphäre schaffen und die Aussage verstärken. Oder gar ein Bild im Kopf der Leserin oder des Lesers entstehen lassen.


Tipp 1: Präzise Sprache wählen

Weniger ist mehr. Ein passend gewähltes Adjektiv kann mehr bewirken als ein Haufen mittelmässiger. Statt «das grosse, alte, beeindruckende, majestätische Gebäude», schreib «das majestätische Gebäude».


Tipp 2: Sei spezifisch

Wähle Adjektive, die genau beschreiben, was du meinst. Anstatt allgemeine Adjektive wie «schön» oder «gross» zu verwenden, nutze spezifische Begriffe, wie «lebhaft gezeichnet» oder «hoch gewachsen» unter denen sich die Leserin und der Leser etwas vorstellen kann.



Tipp 3: Vermeide Redundante Adjektive

Verwende keine Adjektive, die bereits im Substantiv enthalten sind. Zum Beispiel: rotte Lippen, nasser Regen. Achtung: In prosaischen Texten werden solche Überspitzungen als Stilmittel verwendet. Doch so lange du noch keinen Verlag hast der deinen nächsten Gedichtsband rausbringt, kannst du Redundanzen getrost weglassen .


Tipp 4: Benutze Adjektive zur Verstärkung, nicht zur Füllung

Adjektive sollten deinen Satz verstärken, nicht künstlich in die Länge ziehen. Braucht es das Adjektiv, um die Botschaft zu übermitteln?


Tipp 5: Werberische Adjektive sind out

Marktgeschrei gehört auf den Markt. Werberische Adjektive sind abgedroschen, unpräzise und floskelhaft. Zum Beispiel: attraktiv, innovativ, hochwertig, massgeschneidert, exklusiv, einzigartig, erstklassig, wegweisend, aktuell etc.


Tipp 6: Die falschesten Superlative

Besonders die falschen Superlative - die noch nicht mal korrektes Deutsch sind - musst du streichen. Bestmöglichsten, grösstmöglichsten, meistverkauftesten, bestbesuchtesten, seltendsten. Puh. Weg damit.


Was macht einen guten Text aus?

Streiche alle bisherigen Adjektive und setze so wenige wie möglich ein. Nur Präzise Adjektive dürfen in den Text rein. Nichtssagende, floskelhafte, redundante oder auch absurde Adjektive dürfen draussen bleiben.


Bonus-Tipp: Nutze Verben, die ausdrucksstark sind. Wie: spähen, mustern, glotzen, stieren, gaffen, mäkeln, schreien, flüstern, zischen, abblitzen, anstacheln etc.


Auch die Wahl der Nomen hat einen Einfluss auf die Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes. Das ist jedoch ein Thema für ein anderes Mal.


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